Vom Pioniergeist zum beliebten Familien-Skigebiet
Die Geschichte der Mörlialp als Skigebiet geht bis in die 1930er-Jahre zurück. Damals verwirklichten findige Köpfe aus Giswil ihre Vision eines Skilifts auf der Mörlialp. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich die Mörlialp Schritt für Schritt zum attraktiven, preisgünstigen Familienskigebiet, das noch heute grosse Beliebtheit geniesst.
Frühe Visionen und die erste Skiseilbahn (1930er-Jahre)
Um die Wende des 19./20. Jahrhunderts begann sich der Skisport langsam in der Schweiz zu etablieren. Auch im Sarneraatal stiess der Skisport auf Interesse. So wurde 1923 der Ski-Club Giswil gegründet.
Die Idee, die Mörlialp mit einer Skiliftanlage zu erschliessen, wurde dann in den 1930er-Jahren konkret. Ein erster, wichtiger Meilenstein in dieser Entwicklung fand im Dezember 1935 statt, als ein engagiertes Komitee um Gregor Abächerli, Alois Eberli, Emil Mathis und Adalbert Hess die erste Skiseilbahn auf der Mörlialp erfolgreich realisierte und in Betrieb nahm.
(Foto: Sammlung René Eberli)
Betriebseinstellung aufgrund des 2. Weltkriegs
Aufgrund der Rationierungen während des 2. Weltkriegs war der "Betriebsstoff" für den Skilift nur noch schwierig zu bekommen, was die Skilift-Gründer vor grosse Herausforderungen stellte. 1941 musste der Betrieb wegen "fehlendem Betriebsstoff" endgültig eingestellt werden. Es ist zudem anzunehmen, dass der Skilift 1942 abgebrochen wurde. Damit fand die Vision zwar ein abruptes Ende, doch stellte dies keineswegs das definitive Aus für den Skisport auf der Mörlialp dar.
(Foto: Sammlung René Eberli)
Aufbruchsphase und erneuter Skiliftbau (1961)
Angespornt durch den landesweiten Boom im Bau von Skisportanlagen gegen Ende der 1950er-Jahre lebte die Idee des Skiliftbaus in Giswil erneut auf. Im Jahr 1961 schlossen sich Gemeindeschreiber Arno Eberli, Skifabrikant Emil Mathis und Hafnermeister Hubert Ming zur Gründung der Skiliftgesellschaft Mörlialp zusammen. Kurz darauf begann der Bau der Talstation und der ersten Skiliftanlage, deren Betrieb mangels Stromnetzanschlusses zunächst mit einem konventionellen Dieselmotor erfolgen musste. Die neue Skiliftanlage nahm am 8. Dezember 1961 den Betrieb auf.
(Inserat Eröffnung aus dem Anzeiger, 08.12.1961)
Strasse auf die Mörlialp (1963)
Ein entscheidender Faktor für die langfristige Entwicklung auf der Mörlialp war die Fertigstellung der Panoramastrasse (Glaubenbielenstrasse) im Jahr 1963. Diese Strassenverbindung verbesserte die Erreichbarkeit, da die Liftstation nun direkt mit dem Auto erreichbar war – ein Angebot, das intensiv beworben wurde. Der Parkplatz auf der Mörlialp bot damals Platz für rund 80 Fahrzeuge. Ausserdem wurde durch Franz Koch eine Busverbindung ab Giswil betrieben.
(Foto: Hubert Ming, 1960er-Jahre)
Ausbau Liftanlagen und Eröffnung Skischule (1965-1970)
Gegen Ende der 1960er-Jahre drängte sich die Erweiterung mit einer zweiten Skilift-Sektion auf. Im November 1968 beschloss die Bürgergemeinde Giswil eine hälftige Beteiligung an der Aktiengesellschaft, was den Bau der zweiten Skilift-Sektion ermöglichte. 1970 wurde sodann der Skilift von der Stössi auf den Alpoglerberg in Betrieb genommen. Zur Präparation der Pisten auf der Mörlialp wurde im selben Jahr erstmals ein Pistenfahrzeug angeschafft.
Gleichzeitig eröffnete Ignaz Mathis seine Skischule auf der Mörlialp. Diese unterrichtete nach der Mini-Ski-Methode, die neben der Mörlialp nur in Davos und Einsiedeln zur Anwendung kam.
(Foto: Hubert Ming, ca. 1971)
Bau Ferienhäuser und Inbetriebnahme Egglift (1975-1980)
Im Laufe der Jahre wurde die Infrastruktur auf der Mörlialp stetig ausgebaut, insbesondere in den Bereichen Gastronomie, Übernachtungsmöglichkeiten und Wintersportangebot. Im Jahr 1973 wurde das Jugendhaus errichtet, 1975 das Restaurant Giswilerstock, gefolgt vom Bau des ersten Apartmenthauses im Jahr 1976. Zwei Jahre später, 1978, entstanden drei Ferienhäuser beim Restaurant Mörlialp. 1980 wurden die Apartmenthäuser Auerhahn, Steinbock und Hirsch gebaut. Im selben Jahr erfolgte zudem die Inbetriebnahme des Egglifts, womit das Wintersportangebot weiter verbessert wurde.
Der «neue» Sessellift (2001-2002)
Ein weiterer bedeutender Meilenstein war die Erneuerung der Infrastruktur um die Jahrtausendwende. Im Jahr 2000 erwarb die Skilifte Mörlialp AG den bisherigen, fixgeklemmten 3er-Sessellift der Weissen Arena AG (Laax). Diese Anlage wurde im Sommer 2001 in einem aufwendigen Projekt auf der Mörlialp installiert. Die Wiederinbetriebnahme dieser modernisierten Anlage sicherte die Beförderung von bis zu 1800 Personen pro Stunde.
Schlittelpiste, Bullybar und Schneekanonen (2000er-Jahre)
Im Jahr 2003 errichtete Walter Kiser auf der Stössi die Bullybar, die damals noch als Zelt konzipiert war. Ein weiterer Meilenstein folgte 2004 mit dem Bau des Schlittelwegs, ebenfalls durch Walter Kiser, wodurch das Angebot um das Schlitteln erweitert wurde.
Um die Schneesicherheit während der Saison zu verbessern, wurden 2008 die Beschneiungsanlagen auf die Pisten Hale und Wand ausgedehnt. Bereits 1992 war mit der technischen Beschneiung für den Tellerlift begonnen worden. 2016 erfolgte schliesslich der weitere Ausbau der Beschneiungsanlagen sowie der Pistenbeleuchtung.
(Foto: 2005)
Das heutige Familienskigebiet und die Zukunft
Heute präsentiert sich die Mörlialp als ein beliebtes, preisgünstiges Familien- und Kinderskigebiet. Mit einem vielfältigen Angebot an leichten bis herausfordernden Pisten, einem attraktiven Kinderland sowie dem Angebot für Nachtskifahren und Nachtschlitteln zieht das Gebiet Gäste aus der ganzen Zentralschweiz an. Die jüngere Geschichte ist geprägt von der kontinuierlichen Sicherung des Wintersportangebots durch die Unterstützung der Gemeinde Giswil und der Anpassung an neue Marktbedingungen, wie zum Beispiel der Integration in den Magic Pass.
Quellen dieses Geschichtsüberblicks
Bei den oben aufgeführten Texten handelt es sich um eine Kurzfassung der akribisch aufgearbeiteten Entstehungsgeschichte des Skigebiets Mörlialp im Buch "Rund um den Giswilerstock" der Heimatkundlichen Vereinigung Giswil aus dem Jahr 2018. Die Fotos wurden von der Heimatkundlichen Vereinigung Giswil zur Verfügung gestellt oder stammen aus unseren eigenen Archiven.
Weitere Einblick in die Vergangenheit:
Zeitungsartikel im Obwaldner Volksfreund zur Eröffnung des Skilifts auf der Mörlialp (16.01.1962)
Skilift 1. Sektion (Foto: Hubert Ming, 1960er-Jahre)
Zeitungsartikel zur neuen Panoramastrasse von Giswil auf die Mörlialp (Artikel von Hubert Ming, 26.02.1965)
Werbematerial der Mörlialp nach dem Bau des Skilifts 2. Sektion (Grafik von ca. 1970)
Bergstation Skilift 2. Sektion (Foto: Hubert Ming, ca. 1971)
Skilift 2. Sektion mit Blick auf den Alpoglerberg (Foto: Hubert Ming, ca. 1975)
Die stark verschneite Winterlandschaft am Egglift (Foto: 2004)
Skilift 2. Sektion mit Bergstation des Sessllift und der Bullybar (damals noch als Zelt) im Hintergrund (Foto: 2005)